Tourismus und Freizeiterholung

Es war zu Ende des 19. Jahrhunderts, als man sich zum ersten Mal für die
Natur und Landschaft zu interessieren begann. In Zeitschriften erschienen
Veröffentlichungen von u.a. Jac. P. Thijsse über die große Vielfalt der texelschen
Vogel- und Pflanzenwelt. Sie waren der Auslöser dafür, daß die ersten Touristen die
seinerzeit noch sehr umständliche und zeitraubende Reise nach Texel unternahmen.
Je mehr Menschen sich für ein Bad im Meer zu interessieren begannen, um
so größer wurde das Bedürfnis nach einem Kurhotel in De Koog. Am 1. April 1908 wurde
dem Anliegen entsprochen, indem man ein Hotel speziell für Badefreunde baute, das nach
der Geburt von Prinzessin Juliana den Namen ,Hotel Prinses Juliana' bekam. Bereits zehn
Jahre vor der Eröffnung des Hotels hatte man versucht, einen Verein zu gründen, der eine
weitere Zunahme des Fremdenverkehrs bewirken sollte. Da die Beteiligten wenig Aktivitäten
entwickelten, ergriff Dr. Wagemaker, der Gründer der Schiffahrtsgesellschaft TESO, im
Jahre 1908 eine neue Initiative. Er organisierte eine Versammlung, auf der sich fünfzig
Besucher zur Gründung eines Fremdenverkehrsvereins bereit erklärten. Doch auch diesem
Verein gelang es aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht, zu einer weiteren Entwicklung
des Tourismus aktiv beizutragen. Überdies gründete man 1911 in De Koog, aus
Unzufriedenheit über den schlechten Geschäftsgang, einen eigenen Fremdenverkehrsverein,
was schon schnell zu weiteren selbständigen Fremdenverkehrsvereinen in Den Hoorn und De
Cocksdorp führte.

Ansichtskarte mit Motiven aus dem Jahr 1900
Zahlreiche Versuche, dieser Uneinigkeit ein Ende zu bereiten, mißlangen.
1938 konnte durch den Zusammenschluß der Fremdenverkehrsvereine von Den Burg und De Koog
der Fremdenverkehrsverein (VVV) Texel (Schönes Texel) gegründet werden. Auch die
Fremdenverkehrsvereine von De Cocksdorp und Den Hoorn schlossen sich diesem an. Gemeinsam
wurden Aktivitäten entwickelt, um den Tourismus auf Texel zu fördern. Durch den Ausbruch
des Zweiten Weltkrieges hatte die gerade erst gegründete VVV ihre Arbeit nur kurze Zeit
verrichten können.

Gleich nach dem Krieg wurde der Verein neu belebt. Viel konnte man zu
jener Zeit nicht bewirken, da durch den Krieg ein Mangel an Unter-bringungsmöglichkeiten
entstanden war. Außerdem war das Vergnügen einer Ferienreise nur sehr wenigen Leuten
vorbehalten. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes, das jedem Niederländer(in) das Recht
auf bezahlten Urlaub zuerkannte (1948), wuchs der Urlauberstrom und damit der Bedarf an
Unterkünften.
Als Texel darüberhinaus im zweiten Regierungsbericht zur Raumordnung
(1966) als vorrangig zu entwickelndes Gebiet für den Ferientourismus angewiesen wurde,
stieg die Zahl der Übernachtungen in kurzer Zeit recht schnell an.

Ansichtskarte mit Motiv aus dem Jahr 1900
Infolge der wachsenden Beliebtheit der Wattenmeerinseln sowie der
gestiegenen Zahl der Urlaubstage und Urlauber im allgemeinen und der stark gestiegenen
Aufnahmekapazität im besonderen, nahm auch die Zahl der touristischen Übernachtungen
stark zu. Während die Zahl der Übernachtungen 1951 ca. 324.000 betrug (Quelle:
ETD-Gutachten), so waren es 1974 schon 2.388.675 (Quelle: Gemeinde Texel). Bis 1992 war
die Zahl der Übernachtungen, u.a. in der Folge der Ausdehnung der Saison, auf 3,8
Millionen angestiegen (Transportziffern des TESO-Fährdienstes).

Im Auftrag der Gemeinde Texel erstellte eine Kommission 1972 ein
Gutachten über Tourismus und Freizeiterholung auf Texel. In diesem Gutachten, das 1974
vom Gemeinderat angenommen wurde, werden im Prinzip 47.000 touristische
Übernachtungsmöglichkeiten als Obergrenze festgelegt. Dieser Wert wurde anhand eines
Modelles berechnet, wobei auch der Tragkraft der Natur Rechnung getragen wird. Alle
Beteiligten sind nach wie vor der Ansicht, daß an diesem Hächstwert festgehalten werden
sollte.
Das Angebot an touristischen Unterkünften und Einrichtungen wird
weitgehend auf der Westseite der Insel konzentriert. Hier hat man Hunderte neuer Bungalows
und Appartements gebaut. Bestehende Hotels wurden ausgebaut und den heutigen Ansprüchen
entsprechend angepaßt. Es entstand ein überdachtes Schwimmparadies, und die Gemeinde
Texel verbesserte die Infrastruktur.

Ansichtskarte mit Motiv aus dem Jahr 1919
1986 wurde der Fremdenverkehrsverein VVV Texel in eine Stiftung
umgewandelt. In dieser Stiftung, der ,VVV Texel Promotie', sind vier Gruppen vertreten:
die Gemeinde Texel, der TESO-Fährdienst, die texelsche Ver-einigung von Zimmervermietern TVL und der texelsche Unternehmerverband TVO. Wer früher Mitglied des VVV war, ist jetzt
Mitglied der TVL oder des TVO.

Die Inbetriebnahme der Hafenanlage für das bereits 1980 in Fahrt
genommene Doppeldecker-Fährschiff ,Molengat' ist ein zusätzlicher Anreiz für diese
Aktivitäten gewesen. Die negative Publizität bezüglich der langen Wartezeiten bei der
Fähre, die Anfang der achtziger Jahre ganz besonders dafür verantwortlich war, daß die
Besucherzahlen zurückgingen, gehörte damit der Vergangenheit an. Infolge der
Ausbreitungen auf Texel und der steigenden Zahl der Urlaubsaufenthalte, vor allem mit
Bezug auf die Nebensaison, hat der Transport stark zugenommen. Jetzt, da zwei Doppeldecker
in Fahrt genommen worden sind, gibt es aber praktisch keine Wartezeiten mehr.
Quelle: "Texel - Bild einer Insel"-
Herausgegeben vom VVV Texel.
Ansichtskarten: Privatbesitz Michael Malsy
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